Logo des Amani Kinderdorf e.V.: eine rote Hand Gemeinsam ein Kinderfest feiern – als eine Amani-Familie

Gemeinsam ein Kinderfest feiern – als eine Amani-Familie

Beitrag vom 06. Juni 2026

Am 6. Juni, dem ersten Tag der Sommerferien, kamen die beiden Amani-Kinderdörfer Kilolo und Kitwiru zu einem gemeinsamen Kinder-Fest zusammen. Die Kinder, Mamas und Mitarbeitenden aus Kilolo machten sich dafür auf den Weg nach Kitwiru. Während die Erwachsenen Gelegenheit hatten, sich auszutauschen, konnten die Kinder gemeinsam spielen, tanzen und feiern.

Hinter dem Fest stand auch der Wunsch, die Verbindung zwischen den beiden Kinderdörfern weiter zu stärken. Kilolo und Kitwiru sind zwar räumlich voneinander getrennt, gehören aber beide zu Amani. Gemeinsame Erlebnisse wie dieser Tag sollen dazu beitragen, dass noch stärker das Gefühl entsteht, eine große Amani-Familie zu sein. Im kommenden Jahr soll der Besuch deshalb umgekehrt stattfinden und Kitwiru nach Kilolo kommen.

Organisiert wurde die Feier von unserem Kilolo-Freiwilligen Felix. Für ihn war sie zugleich eine Möglichkeit, sich nach einem besonderen Jahr bei den Kindern, Mamas und Mitarbeitenden zu bedanken. Was zunächst nach einem unkomplizierten gemeinsamen Fest klang, entwickelte sich bei der Organisation allerdings zu einem kleinen Abenteuer.

Hier erzählt Felix selbst:

„First things first: die Feier. Essen, Transport und Musik bildeten die Grundpfeiler für die Feier, dazu kamen kleine und große Extras, die die gesamte Erfahrung für die Kinder abrundeten und zu einem wahrhaft einzigartigen Erlebnis machten. Ich hoffe natürlich, es bleibt nicht nur bei einer Feier – die nächste kann dann aber jemand anderes organisieren.

Die Probleme fingen schon im Vorhinein an, als ich bereits bestehende Deals – natürlich nie schriftlich festgehalten, das wäre zu viel des Guten – neu verhandeln musste. Auch bei uns sind die Preise für Benzin und Lebensmittel in die Höhe geschossen, weshalb der Bus nicht mehr zu den abgemachten Bedingungen fahren wollte und die Essensanbieterin nicht mehr für den alten Preis kochen wollte.

Den Bus zu organisieren, war sowieso ein ganz eigener Spaß. Bereits Wochen vor der Feier ließ ich mir von Mama Serafina die Handy- und WhatsApp-Nummer des deutschen Inhabers einer benachbarten privaten Grundschule geben. Ich versuchte, ihn auf allen möglichen Wegen zu erreichen, um ihn für mein Vorhaben zu begeistern und ihn davon zu überzeugen, mir für einen Tag seinen Schulbus samt Fahrer auszuleihen.

Als ich nach zwei Wochen keinen Piep, keinen Ton hörte, nahm ich die Sache selbst in die Hand und fuhr mit dem Motorrad zu seiner Schule. Dort stellte sich heraus, dass er vielmehr nur Geldgeber ist, anstatt, wie von mir angenommen, auch Schulleiter. Deshalb verhandelte ich mit der Schulleiterin und dem Manager über alle Konditionen. Nach kurzer Zeit waren wir uns einig und ein Handschlag besiegelte den Deal.

Sechs Tage vor der Feier erhielt ich dann doch eine Antwort des deutschen Besitzers: Er schrieb mir, dass er den Deal sofort platzen lässt, weil er Angst um seinen Bus und wegen der Versicherung der Kinder Bedenken hat. Auch nach mehrfachen Versuchen, ihm zu versichern, dass sein eigener Fahrer, der den Bus jeden Tag fährt, fahren würde und die Kinder über Amani versichert sind, ließ er sich trotzdem nicht dazu breitschlagen, uns für einen Tag den Bus bereitzustellen.

Also stand ich sechs Tage vor der Feier ohne Transport für 80 Kinder da. Ich hatte mir im Vorfeld schon mehrere Schulen angeschaut und wich nun auf den zweitbesten Deal aus. Zu meinem Pech hatte gerade in dieser Woche jener zweitbeste Bus einen Motorschaden erlitten und musste täglich repariert werden, um den Schulbetrieb an der jeweiligen Schule aufrechtzuerhalten. Was für uns bedeutete, dass dieser Bus nicht infrage kam, um die etwas längere Strecke in die Stadt bewältigen zu können. Diese Absage erhielt ich Dienstagabend. Mittwochfrüh wachte ich also auf und hatte für Samstag immer noch keinen Bus. Alles, was ich hatte, war eine Telefonnummer der Schulleiterin einer Schule, von der ich noch nie gehört hatte. Ich rief die Nummer an und ihre Stellvertreterin ging ran. Sie sagte mir, ich hätte ihren Bus ausleihen können, der Fahrer wäre nur in Dar es Salaam. Ich fuhr dennoch zu der mir unbekannten Schule und flehte die Schulleiterin an, mir den Bus zu geben. Ich würde mich selber um einen Fahrer kümmern, zum Beispiel einen der anderen Schulen. Nach kurzem Hin und Her knickte sie ein und schlug vor, sich selber um die Organisation eines Fahrers zu kümmern.

Doch da sollten die Probleme erst lustig werden. Am Tag der Feier selbst konnte ich die beiden Dorfleiterinnen leider nicht finden. Es standen alle Kinder und Arbeiter im Kinderdorf Kitwiru und schauten mich erwartungsvoll an. Ich schickte alle Kinder spontan auf eine Tour durchs Kinderdorf. Parallel versuchte ich, den Sozialarbeiter und Stellvertreter aus Kitwiru zu erreichen, welcher ebenfalls nicht da war. Dieser erzählte mir, die Dorfleitung seines Kinderdorfes würde bald auftauchen und er selbst käme nur ein wenig zu spät, weil er noch auf den DJ warten musste. Als die Kinder irgendwann von ihrem Spaziergang zurückkamen, tanzten wir uns den Tag schön, bis die ersten Vertreter auftauchten.

Parallel dazu drückte ich unserem Fahrer einen dicken Batzen Geld in die Hand, weil dieser nach Ankunft im Kinderdorf zurück in unser Dorf Kilolo fahren musste, um dort das Essen abzuholen. Geplant war, dass er und dieses Auto mehrere Trips am Tag der Feier machen, weshalb ich ihm das gesamte Geld für Benzin auf einmal in die Hand drückte. Auf der ersten Strecke nach Kilolo war der Fahrer in einen fremdverschuldeten Unfall verwickelt. Zwei betrunkene Motorradfahrer rasten ihm frontal ins Auto, flogen durch die Windschutzscheibe und lagen neben ihm auf dem Beifahrersitz. Es ist ein Wunder, wie alle drei Beteiligten ohne Verletzungen davonkamen. Es musste natürlich die Polizei eingeschaltet werden, die ewig brauchte, um den Unfallhergang zu rekonstruieren, und anschließend musste das Auto natürlich in die Werkstatt. Das Essen befand sich leider noch in Kilolo, alles Benzin befand sich bereits im Auto, und ich musste den anderen Fahrer des anderen Kinderdorfes losschicken, um das Essen zu holen. Wir aßen also über zwei Stunden später als geplant – dadurch schmeckte es umso leckerer.

Alle Strapazen haben sich dennoch gelohnt, als Nana und ich unsere Kinder in den Bus verabschiedeten, um zurück in ihr Kinderdorf zu fahren. Es lächelten uns 70 fröhliche Kindergesichter sowie zehn fröhliche Mama-Gesichter an.“