Allgemeine News aus Tansania

Ausbau des ÖPNV

Seit dem letzten Jahr gibt es eine neue Zugverbindung zwischen der tansanischen Hauptstadt Dodoma und Dar es Salaam, der größten und wirtschaftlich relevantesten Stadt Tansanias. Neue, elektrisch betriebene Züge, moderne Bahnhofsgebäude, die architektonisch die umgebende Landschaft oder den Edelstein Tansanit aufgreifen, und neue Schienensysteme ersetzen die vorherige Zuglinie. Acht Mal pro Tag verkehren nun Züge auf der 460km langen Strecke, mit einem Zwischenhalt in Morogoro. Das Ganze ist eingebettet in ein groß angelegtes Bauprojekt. Geplant ist ein sich über 2560km erstreckendes Schienennetz, das Städte in Tansania, Burundi, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo verbinden soll. Grundsteinlegung des Projekts war im Jahre 2017. Aus verschiedenen Gründen, wie unter anderem der COVID19-Pandemie und den Konstruktionskosten, kam es zu Bauverzögerungen. Bis 2026 soll die Verbindung nach Mwanza, am Lake Victoria, fertig gestellt werden und bis 2027 die Verbindung nach Kigoma, das am Lake Tanganjika gelegen ist.

Von der Bevölkerung wird die Zugverbindung gut angenommen. Jeden Tag tummeln sich in den Bahnhofshallen, die ähnlich wie Flughafenterminals organisiert sind, viele Reisende. Oft sind die Züge schon Tage im Voraus ausgebucht und durch die Einnahme der Fahrtkosten können die laufenden Kosten nahezu vollständig gedeckt werden. Eine Fahrt kostet 40.000 Tansanische Schilling, was ca. 14,50€ entspricht. Das Zugticket ist damit etwas teurer als ein Fernbusticket, dennoch sind viele bereit, den Mehrpreis zu bezahlen. Die Busunternehmen haben dadurch merklich finanzielle Einbußen zu verzeichnen.

Quellenangabe:
Rukanga, B., & Lasteck, A. (2024, 24. Oktober). All aboard the sparkling railway breaking new ground for East Africa. BBC News. Abgerufen am 27. Februar 2025, von www.bbc.com

Koloniales Erbe und die neue Tansanisch-Deutsche Beziehung

In einem vergangenen Newsletter hatten wir von dem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Tansania berichtet, in dem er den Opfern der brutalen Kolonialherrschaft Deutschlands im heutigen Tansania gedachte und um Entschuldigung für damalige Verbrechen bat. Ein zentrales Thema des angestrebten Versöhnungsprozesses zwischen Tansania und Deutschland ist die Rückführung von Gebeinen, die bei der zahlreichen Grabräuberei deutscher Kolonialtruppen entwendet wurden und bis heute in deutschen Museen und Sammlungen verweilen.

Seither hat Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, bei einem Besuch bei tansanischem Außenminister January Makamba über die Repatriierung identifizierter Gebeine und die Restitution geklauter Kulturgüter gesprochen und ein entsprechender diplomatischer Prozess wurde in Gang gesetzt.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Geschichte(n) Tansanias“ des Humboldt-Forums in Berlin, in der ebensolche Raubobjekte zur Schau gestellt und nach Aussage der Kurator*innen in einen kritisch-reflektierten Kontext gerückt werden, meldete sich die tansanische Ministerin natürlicher Ressourcen und des Tourismus Pindi Chana in einer Videobotschaft zu Wort: Mitglieder einer Kommission zur Rückführung seien ernannt worden und würden über diplomatische Kanäle den deutschen Partnern mitgeteilt werden.

Die Charité, die noch heute über eine beachtliche Sammlung geraubter Gebeine verfügt, initiierte daraufhin abseits dieser diplomatischen Kanäle eine eigene Repatriierungszeremonie, welche die Region Iringa, in der unser Verein tätig ist, unmittelbar betrifft. Dazu wurde als Vertreter Chief Adam Abdul Mkwawa II, ein Nachkomme des bis heute als Helden des Widerstandes gegen deutsche Besatzung zelebrierten Sultan Mkwawa, nach Berlin eingeladen. Sein Vorfahre führte einst die um Iringa ansässigen Wahehe in einem Guerilla-Krieg gegen die kaiserliche Besatzungsmacht an.

Während es wohl als begrüßenswert angesehen werden könnte, auf die zahlreichen Beteuerungen und Worte von deutscher Seite nun auch Taten folgen zu lassen, könnte der Alleingang der Charité aber auch zu diplomatischen Irritationen führen – ein konkretes Datum für den Rücktransport steht trotz vollzogener Zeremonie nämlich nicht einmal im Raum, geschweige denn seien die für den Transport notwendigen Formalitäten geklärt. Vertreter der Bundesregierung oder der tansanische Botschafter waren bei der Zeremonie ebenfalls nicht anwesend.

Ob es sich also um einen ehrlichen Versuch des Entgegenkommens oder eine überstürzte Aktion handelt, um schlechter Presse zuvorzukommen, wird sich daran zeigen, wie zeitnah die Charité ihre umfänglichen Versprechungen in die Tat umsetzen kann. In jedem Fall zeigt sich aber, dass die Aufarbeitung der Tansanisch-Deutschen Kolonialgeschichte ein sensibler Prozess ist, der erst an seinem Anfang steht.

Quellenangaben:
Humboldt Forum. (n.d.). Geschichte(n) Tansanias. Abgerufen am 26. Januar 2025, von www.humboldtforum.org
Keul, K. (2024). Reisebericht Tansania. Abgerufen am 21. Dezember 2024, von katja-keul.de
Table Briefings. (2025, 27. Januar). Human Remains: Irritationen nach Übergabezeremonie der Charité. Abgerufen am 28. Januar 2025, von table.media
Stoecker, H. (2025, 10. Februar). Das Schicksal der zwölf Schädel. ZEIT Online. Abgerufen am 19. Februar 2025, von www.zeit.de